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Direkte Messungen von Klimaparametern
sind erst seit einigen Jahrzehnten bekannt:
| Klimaparameter |
Zeitdauer der Messungen |
| Eisvolumen |
20 Jahre |
| Satellit |
25 Jahre |
| Atmosphärische Zusammensetzung |
180 Jahre |
| Temperatur der tiefen Ozeane |
50 Jahre |
| Oberflächentemperatur der Ozeane |
70 Jahre |
| Meeresspiegel |
100 Jahre |
| Temperaturen rund um die Erde |
140 Jahre |
Eine solche Meßzeit ist nicht geeignet, längere
Zyklen der Parameter von Jahrhunderten oder Jahrtausenden zu erfassen.
Um Klimadaten der Vergangenheit zu erhalten, greift
man deshalb auf sogenannte Proxydaten zurück. Diese
erhält man durch die Analyse natürlicher klimaabhängiger
Vorgänge wie: Jahresringe von Bäumen, Eisbohrkerne,
fossile Pollen, marine Sedimente, Korallen
und historische Daten (1).
Historische Daten von Klimaindikatoren
| Klimaindikator |
Zeitdauer der Messung |
| Landwirtschaftl. Daten aus Europa |
700 Jahre |
| Kirschblüte in Japan |
1200 Jahre |
| Überflutungen des Nils |
5000 Jahre |
Eisbohrkerne
In der Abb. 49 ist
die Temperaturentwicklung und die Schneeanhäufung in Grönland
der letzten 20 000 Jahre dargestellt. Vor ca. 12 000 Jahren gab
es eine abrupte Temperaturänderung (Dryas), in der innerhalb
50 Jahren ein Anstieg um fast 10 °C zu verzeichnen war.
Sie werden sich fragen, woher man Werte aus der Steinzeit hat?
Die Frage stellt sich übrigens ebenfalls beim Thema Evolution.
Voraussetzung ist die Tatsache, daß die Naturgesetze auch
früher gegolten haben. Dies weiß man durch die Astronomie,
die den Weltraum untersucht. Das Licht ist von dort teilweise länger
unterwegs, als wie die Erde alt ist. Egal wie alt das Licht ist,
es hat immer die Eigenschaften, die man kennt. (Uniformitätsprinzip)

Daten aus der Vergangenheit erhält man durch
Gesteinsuntersuchungen oder Analysen von Eis-Bohrkernen
aus der Antarktis oder Grönland. Die dort eingeschlossenen
Gase, in Zusammenhang mit Altersbestimmungen geben Aufschluß
über z. B. die Atmosphäre in früheren Erdepochen.
Eisbohrkern
http://idaho.usgs.gov/projects/icecore/
Rechts ist der Bohrturm der Antarktisstation Vostok
abgebildet, der 1999 die bisher tiefste Eisbohrung (3623 m) vorgenommen
hat. Aus der Analyse kann man die lokale Temperatur, die
Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit ableiten.
Außerdem erhält
man aus Gasblasen Information über O2, CO2
oder Methan, Überreste von Meeresorganismen,
und Vulkanausbrüchen usw.

Die Analysen werden mit Hilfe bestimmter Isotopen
gemacht, deren Zerfallseigenschaften man über die Zeit kennt.
Verwendet werden u.a.
- Beryllium-10 (10Be)
(Halbwertszeit 1,600,000 Jahre); entsteht in der oberen Atmosphäre,
wenn kosmische Strahlung N2 und O2-Moleküle trifft. Die Produktion
von 10Be folgt dem 11-jährigen Sonnenzyklus
.--->Rückschlüsse
auf Sonnenaktivitäten
- Sauerstoff-18 (18O).
Das Verhältnis 18O/16O
ändert sich beim Kondensieren in einer Wolke in Abhängigkeit
der Temperatur: je kälter die Wolke, desto niedriger das
Verhältnis.
---> Rückschluß auf
Temperatur
- Kohlenstoff-13 (13C)/14C:
Halbwertszeit 5700 Jahre) Fossile Brennstoffe enthalten kein 14C
und weniger 13C als Luft; das Verhältnis 13C/12C
ist in Pflanzen niedriger als in der Luft und in Meeren.
---> Rückschluß auf
Herkunft
Das Eis in 3623m Tiefe hat ein Alter von ca. 400
000 Jahren. In Abb. 52 sind die Ergebnisse
der Analysen der Eisbohrung in Vostok für die letzten 160 000
Jahre aufgeführt.
Die Gasanalysedaten aus Eisbohrkernen sind allerdings
problematisch, da durch Gasverluste durch Bakterien und bei der Gewinnung und festgestellter
Differenzen des Eisalters im Vergleich zum Gasalter von bis zu 6000
Jahren zu niedrige Werte berechnet werden. (siehe Jaworowski 2004, Beck 2007
)
Andere Proxydaten
Neben den Eisbohrkernen gibt es noch andere Indikatoren,
die auf Klima- und andere Umweltdaten der Vergangenheit hinweisen.
Dazu analysiert man klimaabhängige Relikte aus der Vergangenheit
wie:
Jahresringe von Bäumen, Eisbohrkerne, fossile Pollen, marine
Sedimente, Korallen, historische Überlieferungen, Stalagmiten
und andere. Man nennt diese Daten Proxydaten.
Anbei eine kleine Auswahl:
Historische Daten:
Die Kurve zeigt, daß im Mittelalter mehr
Wein geerntet wurde, was unter anderem auf bessere klimatische Bedingungen
hinweist.
Jahresringe von Bäumen (Dendrochronologie):
Oft werden Baumringe als Beweis für Klimavariationen
herangezogen, da ma diese direkt ablesen kann. Die Wissenschaft,
die sich mit der Analyse der Daten beschäftigt heißt
Dendrochronologie. Diese Wissenschaft
nutz verschiedene voraussetzende Prinzipien wie das Uniformitätsprinzip,
um verläßliche Ergebnisse zu erhalten. Darunter versteht
man, daß heute dieselben biologischen, chemischen und physikalischen
Gesetzmäßigkeiten gelten wie in der Vergangenheit.
Nachfolgend ein Querschnitt durch einen Stamm einer
Gelbkiefer (Pinus ponderosa)
aus Oregon (USA), deren Jahresringe in der Zeit zwischen 1600 und
1700 sehr eng sind: ein Zeichen für Wachstumsreduktion. Damals
herrschte die kleine Eiszeit mit mittleren Temperaturen die ca.
1,5° niedriger waren wie heute (siehe Klimageschichte Mitteleuropas,
Prof. Glaser).
Höhlenablagerungen (Speleotherme;
Stalagmiten/Stalagtiten)
Speleotheme
sind mineralische Ablagerungen aus Grundwasser in unterirdischen
Höhlen. Solche Stalagmiten
und Stalaktiten zeigen jährliche
Bänderungen oder enthalten Mineralstoffe, die radiometrische
bestimmt werden können. Die Dicke der Ablagerungen oder der
Gehalt an Isotopen zeigt Klimavariationen an.
Bei Steleothermen spielt meist das Kalkgleichgewicht
eine Rolle. Die zugrunde liegende Reaktionsgleichung:
CaCO3
+ CO2
(aq) + H2O
Ca2+(aq)
+ 2 HCO3-
(aq) DH°=-17
KJ
ist eine Gleichgewichtsreaktion, die durch höhere
Temperaturen nach links in Richtung Abscheidung von Kalkstein (CaCO3)
verschoben wird. Je höher die Temperatur, desto stärke
die Abscheidung.
Paläozeanographie (Ozeanische Sedimente,
Planktonfossilien usw.)
Die obersten Schichten der Meeresböden enthalten
Überreste von Organismen aus der Erdgeschichte. Wichtige Vertreter
sind einzellige Tiere mit Kalkschalen z.B. Foraminiferen,
die als Plankton noch heute die Meere besiedeln.
Da die Foraminiferen im Laufe der Erdgeschichte
eine intensive Evolution durchlaufen haben, eignen sich viele von
ihnen, die nur eine relativ kurze Zeitspanne (in der geologischen
Zeitskala) existierten, hervorragend als "Index"-Fossilien
für die Altersbestimmung (Biostratigraphie). So kann man mit
Plankton-Foraminiferen die Schichtenfolge der Kreide- und Tertiärzeit
weltweit in über 100 einzelne Zonen untergliedern.
Für die Rekonstruktion der Ablagerungsbedingungen
in der geologischen Vergangenheit liefern sie ebenfalls wichtige
Hinweise (Paläoenvironment). Bei guter Erhaltung liefern die
Kalkschalen der Foraminiferen zudem ausgezeichnete Signale zur Isotopen-Stratigraphie
(16O/18O; 12C/13C).
Durch Vergleich der heute lebenden Arten mit denen
aus früheren geologischen Zeiten ist es möglich, Rückschlüsse
auf damals herrschende Wassertemperaturen
(Paläo-Ozeanographie) und damit Klimabedingungen
(Paläoklima) zu ziehen.
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